Im Netz des Zentralrats (ZMD)

Die deutsche Bundesregierung wird 2018 die Fördermittel für die islamischen Dachverbände DITIB und den Zentralrat der Muslime (ZMD) laut m.dw.com, um bis zu 90% kürzen. Während DITIB dabei im Fokus der Kritik steht, weiß man wenig über den selbsternannten Zentralrat und dessen Strukturen.

Der ZMD vertritt mit 15.000 – 20.000 Mitgliedern ca. 0,4% der MuslimInnen in Deutschland. Man kann also anders als beim Zentralrat der Juden, der ca. 50% der Jüdinnen und Juden in Deutschland repräsentiert, beim ZMD von einer namenstechnischen Mogelpackung sprechen. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, in diversen Talkshows und bei gemeinsamen Auftritten mit PolitikerInnen, regelmäßig dazu berufen, für alle MuslimInnen in Deutschland zu sprechen.

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Wer wirklich in diesem Zentralrat aktiv ist und dort die Strippen zieht, ist bei der medialen Über-Präsenz von Mazyek für die meisten Menschen nicht ersichtlich. Anders als die drei anderen Dachverbände DITIB, Islamrat und VIKZ ist der Zentralrat nicht durch türkische Verbände dominiert und stellt sich mit arabischen, afrikanischen, bosnischen und anderen internationalen Verbänden multikulturell auf. Dass es in den Reihen dieser Verbände aber mehrfach Verbindungen zu islamistischen und teils türkisch-ultra-nationalistischen Organisationen gibt, ist für viele ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Verfassungsschutzämter auch 2017 ein Faktum. Auffallend ist, dass der ZMD seit Ende 2016 die Übersicht über seine Mitglieder „aus Sicherheitsgründen“ nicht mehr transparent für die Öffentlichkeit präsentiert.

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Natürlich sind die Mitglieder den KennerInnen der Szene nach wie vor bekannt und auf Anfrage auch einsehbar. Mein besonderes Augenmerk gilt in diesem Artikel den drei Verbänden IGD (Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.), ATIB (Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.) und IZH (Islamisches Zentrum Hamburg), die im ZMD äußerst einflussreich agieren.

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Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ist eine der ältesten muslimischen Organisationen in Deutschland, die am 9. März 1960 aus dem Projekt Islamisches Zentrum München hervorging, das wiederum 1958 durch den prominenten Muslimbruder und Schwiegersohn des MB-Begründers Hasan al-Banna, Said Ramadan, ins Leben gerufen wurde.

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Der US-amerikanische Autor Ian Johnson beschrieb in seinem Buch „A Mosque in Munich. Nazis, the CIA, and the Muslim Brotherhood in the West“ ausführlich, wie der amerikanische Geheimdienst CIA, Ramadan nach Deutschland holte, um ihn in ein bundesweit agierendes anti-kommunistisches Netzwerk einzuspannen. Die Muslimbruderschaft definiert sich seit ihrer Gründung Ende der 1920er Jahre als dezidiert anti-kommunistisch.

1989 wurde die IGD Gründungsmitglied der Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), die als europäischer Dachverband der Muslimbruderschaft gilt. Islamwissenschaftler Aladdin Sarhan (Muslimisches Forum Deutschland – MFD) beschreibt die IGD wie folgt:

„Bereits seit ihrer Gründung steht die IGD unter bestimmender Einflussnahme der Muslimbruderschaft (MB).“ […] „Die IGD gilt als wichtiger Akteur im europäischen MB-Netzwerk. Sie ist Gründungsmitglied der „Föderation der Islamischen Organisationen in Europa“ (FIOE) mit Sitz in Brüssel. Bei der FIOE handelt es sich um den Dachverband aller MB-nahen Organisationen in Europa.“ […] “ In enger Verbindung zur FIOE steht der „Europäische Rat für Fatwa und Islamstudien“ (ECFR) mit Sitz in Dublin. Seit seiner Gründung 1997 steht er unter dem Vorsitz Yusuf al-Qaradawis, einem in Katar lebenden islamistischen Gelehrten.“ Aladdin Sarhan – Die Muslimbruderschaft in Deutschland

Dass in dieser Beschreibung der Name Yusuf al-Qaradawi fällt, ist kein Zufall. Al-Qaradawi gilt als Vordenker der Muslimbruderschaft, der von Katar aus regelmäßig über den Sender Al Jazeera zu Millionen Menschen in der islamischen Welt spricht. In seinen Predigten und Erörterungen billigt al-Qaradawi Selbstmordattentate im Kampf der PalästinenserInnen gegen Israel als erlaubten Märtyrertod, nennt Adolf Hitler „eine gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und stimmt die Muslime auf einen neuerlichen Holocaust in der Zukunft ein. Darüber hinaus befürwortet er die Todesstrafe für „Abkehr vom Islam“ und außerehelichen Geschlechtsverkehr. Homosexualität ist für ihn eine „geschlechtliche Abartigkeit“.

Die IGD wird nicht selten als Organisation beschrieben, die „al-Qaradawis Bücher in Deutschland populär machte“.

Ahmad Mansour (Muslimisches Forum Deutschland – MFD) kritisierte Ende 2016 Sheikh Ferid Heider, der regelmäßig in Kreisen der IGD auftritt und in der Vergangenheit Literatur al-Qaradawis im Internet beworben hatte:

„Mir geht’s nicht um die Inhalte seiner Rede, viel mehr um das, was Heider repräsentiert: um sein Islamverständnis. Denn, wie soll man beispielsweise die Tatsache verstehen, dass er al-Qardawis Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ auf seiner Seite bewirbt? Al-Qaradawi ist eine Größe in der arabischen, islamischen Welt. Ein Gelehrter, der Selbstmordanschläge gegen Juden in Israel legitimiert und offen Jahre lang zum Jihad in Syrien aufgerufen hat.“

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Der bayerische Verfassungsschutz schrieb 2016 über die IGD:

„Die IGD versucht durch politisches Engagement in Deutschland ihre von der Ideologie der Muslimbruderschaft (MB) geprägten Ziele zu erreichen. Die Anhänger der IGD sind bemüht, ihre Verbindung zur MB in öffentlichen Verlautbarungen nicht zum Ausdruck zu bringen. Die Bestrebungen der IGD richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.“

Interessant ist auch die Rolle des IZAs (Islamisches Zentrum Aachen), welches ursprünglich vom Führer der syrischen Muslimbruderschaft, Issam al-Attar, gegründet wurde und sich 1981 von der IGD abspaltete. Das IZA soll laut Islamexpertin Valentina Colombo, die „geistliche Heimat von Aiman Mazyek“ sein.

(Edit: Die IGD hat sich inzwischen unbenannt in DMG – Deutsche Muslimische Gemeinschaft e.V.)

Ein weiteres Mitglied des ZMD ist die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V. (ATIB).

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Die ATIB spaltete sich 1987 von Mitgliedsvereinen der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (ADÜTDF)“ ab. 2001 wurde die ADÜTDF vom „Zentrum für Türkeistudien“ in einem Gutachten („Zuwanderung“, Essen 2001, S. 78, Tabelle 19) als Tochterorganisation der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) identifiziert. Die MHP ist zugleich die Mutterorganisation der rechtsradikalen Grauen Wölfe-Bewegung. Der Gründer der ATIB, Musa Serdar Çelebi, trat erst jahrelang in Reihen der MHP auf, bevor er sich wohl (laut der Fraktion Die Linke, siehe kleine Anfrage, Drucksache 18/9233) ab den 1990er Jahren der türkischen rechtsextremen-islamistischen Partei BBP (Partei der Großen Einheit) anschloss:

„In der Türkei war Musa Serdar Çelebi zugleich jahrelang Vizevorsitzender der im Jahr 1993 von der MHP abgespaltenen, ebenfalls dem Ülkücü-bzw. Graue-Wölfe-Spektrum zugerechneten Partei der Großen Einheit (Büyük Birlik Partisi – BBP).“

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Auch die BBP gehört der „Ülkücü“/Idealisten-Bewegung (Graue Wölfe) an, legt aber anders als die MHP, mehr wert auf den islamistischen Faktor. Islamwissenschaftler Michael Kiefer sieht im Programm der BBP Ähnlichkeiten zur deutschen NPD:

„Meines Erachtens kann man, wenn man Schnittmengen bilden möchte, durchaus sagen, dass die BBP ähnliche Dinge, ähnliche Programmpunkte auffasst wie die NPD.“ 3sat – Fragwürdige Friedensmission

Zentral in dieser Ideologie ist die Türkisch-islamische Synthese, ein politisch rechtsgerichtetes islamisch-konservatives Ideologem, das türkischen Nationalismus und Islamismus miteinander verbindet. Der Begriff wurde 1972 geprägt durch den konservativen Historiker İbrahim Kafesoğlu, der die türkisch-islamische Synthese auf die erste türkisch-islamische Dynastie der Karahaniden im 11. Jahrhundert zurückführte. Kafesoğlu betrachtete den Kontakt der alten Steppenkultur der Türken mit dem Islam als Veredelungsprozess. „Türkentum“ ist nach dieser Vorstellung nur in Verbindung mit dem sunnitischen Islam möglich. Daraus folgt auch die Diskriminierung der AlevitInnen und ChristInnen in der Türkei. Vor allem bei den AlevitInnen würde eine Anerkennung dieser als muslimische Minderheit (eigene Konfession) eine Anzweiflung des Türkentums ergeben und somit als ‚Separatismusbestrebung‘ in der Türkei gelten.

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Musa Serdar Çelebis Sohn, Mehmet Alparslan Çelebi, ist ebenfalls Mitglied der ATIB und heute stellv. Vorsitzender des Zentralrats der Muslime.

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Çelebi als auch die ATIB weisen jegliche Verbindungen zu den Grauen Wölfen von sich und distanzieren sich auf ihren Internetseiten von Nationalismus und Rechtsradikalismus. Diverse ExpertInnen, WissenschaftlerInnen und JournalistInnen sehen das allerdings anders.

Dr. Kemal Bozay ( Politik-, Erziehungs-, Sozialwissenschaftler & Experte für türkischen Nationalismus) erwähnte die ATIB in seinem Buch Graue Wölfe heulen wieder mehrfach. So schrieb er:

„Die rechtsextrem-islamistisch gesinnte ATIB dagegen verwendet den Begriff des >Europäischen Türkentums< in enger Verbindung mit der >Nationalen Identität< […].“

Im Juli 2017 bestätigte er seine Einschätzung in einem Dossier für die Bundeszentrale für politische Bildung:

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Ismail Küppeli (für ufuq.de), Menschenrechtler Ilias Uyar, Prof. Dr. Ina Wunn und JournalistInnen der Sendung frontal21 kamen bei ihren Recherchen zu ähnlichen Ergebnissen.

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Für mich ist es schwer vorstellbar, dass alle genannten ExpertInnen entweder falsch informiert sind oder gar lügen. Trotzdem überlasse ich die Interpretation der aufgeführten Quellen natürlich der Leserin und dem Leser. 😉

Als dritte fadenscheinige Organisation fällt in Reihen des ZMD das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) auf.

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Das IZH ist eine der ältesten islamischen Institutionen Europas und stellt das Zentrum des schiitischen Islam in Deutschland dar. Das IZH ist dem geistlichen Oberhaupt des Iran unmittelbar unterstellt und wird somit durch das islamistische, antisemitische und homophobe Mullah-Regime im Iran kontrolliert. Theoretisch gesehen müsste man hier eigentlich nicht weiter schreiben, um jeglicher Kooperationen mit diesem Verein eine klare Absage zu erteilen. Leider zeichnet sich die momentane Haltung der deutschen Politik nicht durch einen differenzierten Blick auf die islamischen Dachverbände aus. Da das IZH Mitglied der Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg) ist, arbeitet es als direkter Kooperationpartner mit dem Bundesland Hamburg zusammen.

„Über SCHURA werden von den Mitgliedsgemeinden religiöse und soziale Aktivitäten gemeinsam organisiert und koordiniert. Dies betrifft vor allem den Jugend- und Frauenbereich aber auch gemeinsame Aktivitäten während des Fastenmonats Ramadan (Vorträge, Qur´anlesungen, gemeinsames Iftar), des Opferfestes oder Prophetengeburtstages.“ Schura – Selbstbeschreibung

„Jahrelang wurde der antisemitische Quds-Marsch in Berlin vom IZH organisiert.“ Auch 2017 waren Funktionäre des Zentrums in die Organisation des Quds-Marsches eingebunden. Als Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) sich Anfang 2017 im IZH einer Diskussion stellte, zeigte er sich schockiert über Inhalte, die in Reihen des Zentrums propagiert werden:

Auch der Verfassungsschutz in Hamburg beobachtet das IZH:

„Neben den extremistischen Salafisten sind weitere islamistische Bestrebungen in Hamburg aktiv. So steht die an der Außenalster gelegene, als sogenannte „Blaue Moschee“ bekannte, schiitische „Imam-Ali-Moschee“ weiterhin im Fokus des Verfassungsschutzes. Trägerverein dieses Brückenkopfes des iranischen Regimes nach Deutschland und Europa ist das „Islamische Zentrum Hamburg“ (IZH).“

Warum die Stadt Hamburg weiter über den Schura-Rat mit dem IZH kooperiert, bleibt mir dabei schleierhaft.

FAZIT

Wenn man den diversen ExpertInnen, WissenschaftlerInnen, JournalistInnen und Verfassungsschutzorganen glaubt, ist der Zentralrat der Muslime (ZMD) ein Sammelbecken für IslamistInnen und türkische Ultra-NationalistInnen. Jegliche Kooperation mit dem ZMD sollte daher umgehend beendet werden. Mehr gibt es nicht zu sagen.

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6 Kommentare zu „Im Netz des Zentralrats (ZMD)“

  1. Danke für die ausführliche Info über den ZMD, der mir schon seit einiger Zeit ein Dorn im Auge ist (auch wegen der Presseaufmerksamkeit,die dem Wolf im Schafspelz Mazyek gewidmet wird). Jetzt weiss ich, wer da noch so alles hintesteckt.

    P.S. Ist der Blog neu?

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