Was uns Corona über den Zustand unserer Gesellschaft verrät

Die Corona-Pandemie ist ein Ausbruch der neuartigen Atemwegserkrankung COVID-19, die erstmals Ende 2019 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan diagnostiziert wurde und sich im Januar 2020 in der Volksrepublik zur Epidemie entwickelte. Seitdem hat eine Verbreitung weit über die Grenzen Chinas hinaus stattgefunden, so dass ein Großteil der Welt inzwischen betroffen ist.

Das Bayerische Gesundheitsministerium bestätigte im Januar 2020 die erste Infektion in Deutschland. Mittlerweile sind tausende Menschen infiziert, erste Ausgangssperren werden erteilt, wobei medizinische Einrichtungen schon jetzt davor warnen, dass bei einer derart schnellen Ausbreitung des Virus das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt. Auch im Wissen darüber rufen immer mehr Menschen mit dem Hashtag #stayathome dazu auf, die Infektionskette zu unterbrechen, indem man dieser Tage schlichtweg Zuhause bleibt. Ein wichtiger Aufruf, der allerdings ein soziales Bewusstsein in der Gesellschaft voraussetzt, das nicht überall vorhanden zu sein scheint.

Bewegt man sich derweil in deutschen Großstädten, scheinen einige Menschen mehr Interesse daran zu haben, die Grillsaison im Stadtpark zu eröffnen, statt konsequent Menschenmengen zu meiden und so der Verbreitung des Virus entgegen zu wirken. In Supermärkten stehen Regale mit Mehl und Zucker leer und einige Übermotivierte prügeln sich um das letzte Paket Toilettenpapier. Wurde jemals vom angeblich zivilisatorisch überlegenen Westen gesprochen, so gilt nun das letzte Gefecht um den Restbestand von Zewa-Ultra-Soft. Die Decke der Zivilisation, unter der die Barbarei wuchert, scheint auch bei uns dünner denn je.

Es mag sein, dass dieser Tage ein evolutionärer Prozess greift, durch den einige Mitbürger*innen vermeintlich das eigene Leben in Gefahr sehen und so noch weniger als zuvor nach links oder rechts schauen. Doch trotz aller Schreckensnachrichten rund um Covid-19 befinden sich die meisten Menschen nicht in unmittelbarer Lebensgefahr. Und gerade hier gilt es mitzudenken als auch ein Mindestmaß an Solidarität an den Tag zu legen, denn vor allem alte und kranke Menschen gehören zu den sogenannten »Risikopatienten«, die derzeit durch das Virus massiv bedroht sind.

Ein soziales Bewusstsein fällt nicht aus den Bäumen und kann genauso gelernt und reflektiert werden wie Demokratie und Menschenrechte. Die Frage ist allerdings wo, wenn der Neoliberalismus immer stärker darauf ausgelegt ist, Menschen in Konkurrenzsituationen zu versetzen und Ellbogen zu zeigen. Die ständige Paranoia, dass mein Gegenüber mir am Ende des Tages doch etwas wegnehmen könnte.

Dieser ständige Wettstreit zeigt sich schon im Kindesalter, wenn in Grundschulen Trennwände gebastelt werden, um den »Sitznachbar« am Abschreiben zu hindern? Ein banales, doch sehr treffendes Beispiel, denn Derartiges denken sich Kinder nicht aus, es ist vielmehr Ausdruck eines Systems, das selbst Allgemeinbildung privatisieren und im nächsten Schritt patentieren kann. Wie soll in diesem Klima schon frühzeitig ein soziales Bewusstsein entwickelt werden? »Haste nix, biste nix« sagt wahrlich mehr über uns aus, als wir vielleicht wahr haben wollen.

Nun bietet die Corona-Krise die Möglichkeit, dass genau diese Abläufe kritisch hinterfragt werden und wir eine Debatte darüber führen, wie eine stabile als auch überlebensfähige Gemeinschaft in Zukunft aussehen könnte. Die Stammtischparolen der Rechtspopulist*innen bieten keine Antworten, wobei die internationale Dynamik der Pandemie zeigt, dass Probleme nicht hinter hohen Mauern im regressiven Nationalstaat gelöst werden können.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler*innen an einem Impfstoff gegen Covid-19 und zeigen beispielhaft, dass internationale Arbeitsteilung mehr als ein Ausdruck progressiver Gesellschaften ist. Während Trump in seinem »America First«-Wahn versucht, einen Corona-Impfstoff exklusiv für die USA zu sichern, sterben weltweit die Ärmsten der Armen, die nicht in die Zigarettenschachtelwelt des Blonden von der Pennsylvania Avenue passen. Hier gilt es anzusetzen und schon in den Schulen mehr Platz zu schaffen, um Kindern zumindest die Möglichkeit zu bieten, über den eigenen Tellerrand hinwegzuschauen und auch dort Vorteile zu sehen, wo es um Austausch und Kooperation statt dauernde Konkurrenz geht. All the treasures of the earth can’t replace a good friend.

Mit solidarischen Grüßen

Schmalle

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