Nie wieder Islamismus

Islamistische Bewegungen streben die Absolutsetzung eines totalitären Islamverständnisses an, um dieses als Lebens- und Staatsordnung zu manifestieren. In diesem Prozess benötigen politische Führungskräfte den Rückhalt als auch die Legitimation durch eine islamische Geistlichkeit, die ʿUlamā‘. Es liegt eine Gottes- statt Volkssouveränität als Legitimationsbasis vor, die als Fundament für die ganzheitliche Durchdringung und Steuerung der Gesellschaft fungiert. Sämtliche Institutionen werden systematisch auf Linie der Geistlichkeit gebracht. Es entwickelt sich eine homogene und identitäre Sozialordnung im Namen des jeweiligen Islamverständnisses.

Erreichen islamistische Bewegungen ihr Ziel, den Gottesstaat, verkündet die religiöse Führung, „die eine“ Wahrheit inne zu haben – ihr Islamverständnis. Somit bündelt eine selbsternannte religiöse Elite die politische Macht in einem totalitären System und propagiert einen vermeintlichen „Auftrag Gottes“ – dieser wird zwangsläufig als unverhandelbar verstanden, was zur Diskriminierung, Verfolgung und Eliminierung Andersdenkender führt.

Um überleben zu können, nutzen islamistische Bewegungen den technischen Fortschritt, lehnen den Geist hinter freiheitlichen Prinzipien, die den Fortschritt ermöglichen, als eine Art der „modernen Verderbnis“ aber ab. Gerade das freie Denken wird im Islamismus als Gefahr gesehen. Kultur, die sich mit dem kritischen Denken identifiziert, ist islamistischen Akteur*innen grundsätzlich suspekt. Ein kritischer Geist trifft Unterscheidungen – Dissens als Mittel der Vermehrung des Wissens. Für den Islamismus ist Dissens und Vielfalt Verrat und beinahe immer auf einer Stufe mit Blasphemie, denn „die eine“ Wahrheit wurde bereits offenbart.

Nicht-Muslim*innen werden in einem islamistischen System traditionell unterteilt in Christ*innen und Jüdinnen*Juden (ahl-al-Kitab), die Besitzer*innen einer Schrift, die einen Gott anbeten. Sie haben eine besondere Steuer (jiziya) zu entrichten und genießen im Gegenzug den Schutz des islamischen Gemeinwesens. Kann diese Steuer (z.B. aus politisch-strategischen Gründen) nicht durchgesetzt werden, sind die genannten Religionsgemeinschaften zumindest diversen strukturellen Diskriminierungen unterworfen, wobei so gut wie allen islamistischen Bewegungen antisemitische Weltbilder innewohnen. Die Rechte der Mitglieder anderer religiöser Gemeinschaften oder gar von Atheist*innen bleiben völlig ungeklärt. Damit steht immer im Raum, dass diese – falls sie nicht zum Islam konvertieren – keinerlei Rechte besitzen.

In besonders radikalen islamistischen Systemen kann es durchaus auch vorkommen, dass durchweg alle Andersdenkenden für vogelfrei erklärt werden. Beliebigkeit ist hier das Stichwort, denn die islamische Welt verfügt derzeit über keine zentrale religiöse Instanz, die eine allgemeingültige Ausrichtung festlegen könnte.

Frauen werden systematisch aus der Öffentlichkeit verdrängt. Bewegen sie sich dennoch im öffentlichen Raum, dürfen sie in der Regel nur Gesicht und Handflächen zeigen, da der Islamismus ihnen ein „verletzlicheres Schamgefühl“ als dem Mann zuschreibt. Dem Islamismus ist seinem Wesen nach eine rigide Geschlechtertrennung inhärent. Besonderes Augenmerk gilt in diesem Kontext der Kontrolle der Sexualität. Dabei ist man dieser gegenüber durchaus aufgeschlossen, beschränkt sie aber im Rahmen der heterosexuellen Ehe und des Privatbereiches. Homosexualität und andere Lebensentwürfe werden mit drastischen Strafen belegt und gesellschaftlich stigmatisiert.

Der Islamismus muss auf verschiedenen Ebenen verstanden werden. Nicht jede islamistische Bewegung oder Organisation kann jedes der genannten Merkmale unmittelbar umsetzen, weil man sich (vor allem in demokratischen Gesellschaften) in Abhängigkeiten und anderen Vereinbarungen befindet. Hier trifft man auf den legalistischen Islamismus, der auf physische Gewalt verzichtet und die Institutionen einer Gesellschaft unterwandert. Islamistische Akteur*innen versuchen sich oftmals als einzig repräsentative Instanz muslimischer Communities zu inszenieren und negieren ganz bewusst die Vielfalt und Heterogenität der Communities. In dieser Phase ist eine „Färbung“ der Gesellschaft im Sinne eines reaktionären und politisch-autoritären Islamverständnisses ein probates Mittel vieler Islamist*innen. Daran knüpfen auch protoislamistische Ideologien an, die einem antipluralistischen Islamverständnis den Boden bereiten und Elemente des Islamismus antizipieren sowie popularisieren, ohne direkt für einen Gottesstaat zu werben. Dem entgegen greift eine Minderheit von Islamist*innen zur Waffe, um den Gottesstaat auf militantem Wege zu erzwingen oder seine „Feinde“ zu bekämpfen: der dschihadistische Islamismus.

Die Mehrheit der Muslim*innen in Deutschland befürwortet die Demokratie und positioniert sich somit konträr zum rechtlichen Rahmen eines Gottesstaates. Trotzdem treten gerade in Teilen konservativer islamischer Milieus vermehrt protoislamistische als auch rechts-politische Narrative in den Vordergrund. Deshalb sind säkulare und liberale Muslim*innen, auch wenn sie bisher wenig effektiv organisiert sind, unverzichtbare und auf lange Sicht einflussreiche Partner*innen im Kampf gegen totalitäre Islamverständnisse und Islamismus.

Wie kann dem Islamismus begegnet werden?

Die Lösung der Islamismus-Problematik liegt zwangsläufig nicht in der Rückbesinnung auf nationale Werte. Nationalstolz befriedigt zu oft Minderwertigkeitsgefühle auf Kosten derer, die nicht in das Schema F fallen. Unsere Gesellschaft ist zu heterogen als dass sie künstlich in nationale Werte gepresst werden müsste. Denkende Menschen bewahren sich einen gesunden Abstand zu den Mythen des Kollektivs. Es gilt: Je größer und komplexer das Kollektiv ist, desto vereinfachender und vorurteilsvoller muss die kollektive Identität sein. Deshalb basiert die nationale Identität unausweichlich auf selbstgefälligen Vorurteilen. Das Interesse vieler Islamist*innen an der sogenannten „Umma“ begründet sich auch darin, dass sie über den Rahmen eines Stammes oder einer Volksgruppe hinausreicht. Somit kann der Islamismus nur durch einen Werte-Konsens, der sich in den unveräußerlichen Menschenrechten wiederfindet, entkräftet und dekonstruiert werden.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

Eine derartige Dekonstruktion erfordert eine interkulturelle und grenzübergreifende Arbeitsteilung, wobei die Herkunft sowie die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft zwangsläufig in den Hintergrund treten und so einen universellen Konsens ermöglichen. Einen Konsens, der die Autonomie des Individuums auf Grundlage einer humanistischen Gesellschaft betont und im besten Fall durch Bildungsinitiativen begleitet wird, um die entsprechende Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Freiheits- und Gleichheitsrechte, insbesondere die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit, müssen in diesem Kontext genauso wie die Gewaltenteilung, Säkularismus, freie Wahlen, das Mehrheits- oder Konsensprinzip, Minderheitenschutz, Religionsfreiheit und die Akzeptanz einer politischen Opposition gelehrt und verteidigt werden. Dazu gehören selbstredend auch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit.

Der Islamismus kann auf Dauer militärisch nicht besiegt werden

Kampfeinsätze können immer nur die Schlagkraft einer totalitären Bewegung in Schach halten, nicht aber die Ideologie hinter dieser. Um ihren Gegenpol, die Demokratie, schätzen und im Notfall auch verteidigen zu können, müssen die Menschen mündige Menschen sein. Ein Lernprozess, der nicht nur in den Familien stattfindet, sondern vor allem in Bildungseinrichtungen, wo der Kampf gegen den Islamismus im Klassenzimmer entschieden wird.

Mit antifaschistischen Grüßen

Schmalle

6 Kommentare zu „Nie wieder Islamismus“

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